Herr Schleinig

Auf eine Elternzeit

Kürzlich traf ich eine Entscheidung. Ihre Tragweite ist von längerer Dauer: Fünf Monate. Oder 22 Wochen. Oder 154 Tage. Oder 3.696 Stunden. Oder 221.760 Minuten. Oder 13.305.600 Sekunden Verantwortung, ohne an das Danach, das Waswirdwenn, das Warumeigentlichnicht und das Dubistjakomplettirre zu denken. 

Doch, das habe ich. Ganz kurz. Danach entschied ich mich für die Elternzeit außerhalb des wohl durchschnittlichen Zeitrahmens. Außerhalb, denn gewöhnlich nehmen Väter zwei Monate. Aus unterschiedlichen Gründen. Meistens nachvollziehbare, und auch nicht nachvollziehbare. Darüber hinauszugehen, setzt Mut voraus, habe ich gelernt. Gegenüber dem Argwohn der Umwelt. Die Irrungen und Wirrungen, die gemachte Aussagen und ihre Botschaften in Beruf und Gesellschaft transportieren, abzuwehren. Einige Väter zerbrächen wohl, schreckten vor rohen Drohungen zurück, opferten sich selbst. Ein Gedanke an all jene, die wollten und doch nicht konnten. 

Ich bin ehrlich: Auch ich sah bereits Unheil, Zweifel und Unverständnis. Das Produkt meiner Fantasie habe ich bisher nicht wirklich vernichten können. Stetig spiele ich die Klaviatur meiner Ängste durch. Kantaten, Menuette, Opern. Doch das Orchester verstummt, wenn mich ein Viermonatiger ansieht und zahnlos breit anlacht. Dann wird mir alles klar: Fünf Monate. 22 Wochen. 154 Tage. 3.696 Stunden. 221.760 Minuten. Oder 13.305.600 Sekunden besondere Lebenserfahrungen.

(Disclaimer: Es kann einfach sein, etwaige Botschaften zwischen den Zeilen zu vermuten, über Gründe zu spekulieren oder gar Interpretationen zu entwickeln, die mit dem, wie es wirklich ist, nichts mehr zu tun haben. Als Lösung biete ich den direkten Kontakt über die gewohnten Kanäle an. Dort antworte ich, erläutere ich und kläre auf. Über Gründe der langen Elternzeit, wie meine Mitmenschen reagiert haben, dass es nicht nur Füße hochlegen und chillen bedeutet und überhaupt ganz wichtig: meine Motivation.)

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Dieser Beitrag wurde am September 26, 2016 um 7:21 pm veröffentlicht und ist unter Uncategorized abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

6 Gedanken zu „Auf eine Elternzeit

  1. Ich verstehe das unterschwellig-schlechte Gewissen nicht, das sich durch diesen Beitrag zieht. Dabei triffst du doch nicht nur eine nachvollziehbare sondern vermutlich die einzig richtige Entscheidung! Die Erlebnisse und Erfahrungen, die du jetzt machst, kann dir niemand zurückgeben – weder der Arbeitgeber noch argwöhnische Mitmenschen.

    • Ja, da bin ich absolut bei Dir. Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Entscheidung sind letztlich (noch) nicht absehbar. Ich habe selbst Respekt davor. Unabhängig davon, wie gut diese Zeit mir und meiner Familie tun wird. Es ist wohl eher meine Demut, die sich mir beim Schreiben aufgedrängt hat.

  2. Wie schade, dass jede neue Väter-Generation von Neuem das Gefühl hat, die Welt aus den Angeln heben zu müssen. Ich habe nach der Geburt meines ersten Sohnes meine Arbeitszeit um 50% reduziert, auf zwei volle Jahre. Solange das mit dem Geld hinhaut, wüsste ich nicht, was dagegen spräche. (Was geht Dich irgendwelcher Argwohn an?)
    Aber seeehr viel, was dafür spricht. Viele gute Erfahrungen, viel Spaß – und Kraft! 🙂

    • Danke, Tilo! Ich vermute, dass auch viel Angst und Misstrauen auf Seiten der Mitmenschen besteht, nicht nur auf der Vaterseite. Letztlich teilt sich die Aufmerksamkeit des Vaters, um die nun nicht mehr nur der Arbeitgeber, die Freunde, sondern auch das Kind buhlen. Ich denke, weniger die Freunde sehen dann Unheil in der Elternzeit. Das Gegenteil ist der Fall. Ich freue mich über den vielen Zuspruch!

  3. Wünsche wunderschöne 13.305.600 Sekunden mit dem Nachwuchs! Alle Daumen hoch für Dich. Genieß es.

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